Gunas
Zwei Kräfte reichen meist nicht aus, um große Phänomene des Menschseins zu erklären. So gibt es in der großen Schule des Denkens auch das Konzept der drei Gunas,Tamas, Rajas und Sattva, die Qualitäten allen Seins. Danach befinden sich die drei Gunas in jedem Stein, in jedem Baum, in jedem belegten Brötchen, in jedem Gedanken.
Gedanken können träge Eigenschaften haben – das ist Tamas.
Gedanken können scharf und treibend sein – das ist Rajas.
Und Gedanken können klar und rein sein – das ist Sattva.
Der Yogi strebt danach, sattvisch zu leben ohne Schärfe und ohne Trübheit. Zum Beispiel ist mildes gewaltfrei hergestelltes Essen Sattva. Doch jede Qualität ist nötig, um ein Gleichgewicht zu schaffen. Es braucht das Aktive (Raja) und auch das Passive (Tamas), um das Ausbalancierte (Sattva) zu kreieren. Die Gunas liegen nie in Reinform vor. Es gibt Zustände des Dazwischen.
Das Üben (Das Aktive) – Das Loslassen (Das Passive)
Das Üben des Yoga lehrt uns, unsere Wahrnehmung zu vertiefen. Wenn wir Yoga praktizieren, können die Gunas uns helfen zu verstehen, wie wir unsere Praxis gestalten und unsere innere Balance finden können.
Zum Beispiel kann Sattva uns lehren, wie wir eine Praxis kultivieren können, die von Klarheit, Reinheit und Harmonie geprägt ist. Wir können lernen, uns auf die Ausrichtung unserer Körperhaltungen, die Beruhigung unseres Geistes durch Atemübungen und Meditation zu konzentrieren.
Rajas kann uns daran erinnern, dass es wichtig ist, in unserer Praxis Energie zu aktivieren, aber auch darauf zu achten, dass wir nicht übermäßig ambitioniert werden oder uns selbst überanstrengen.
Tamas erinnert uns daran, dass es Zeiten gibt, in denen wir uns erlauben müssen, uns auszuruhen und zu regenerieren. Wir können lernen, unseren Körper zu respektieren und auf seine Bedürfnisse zu hören, anstatt uns von einem zwanghaften Verlangen nach Aktivität zu leiten.
Das Loslassen ist ein wichtiger Aspekt der Yoga-Praxis, da es uns ermöglicht, uns von alten Mustern, Emotionen und Anhaftungen zu befreien. Die Gunas können uns dabei helfen zu verstehen, wie wir loslassen können, ohne uns zu sehr an Vergangenem festzuhalten.
Sattva kann uns dabei helfen, einen Zustand des inneren Friedens und der Ruhe zu kultivieren, der es uns ermöglicht, loszulassen, ohne uns von Angst oder Widerstand überwältigen zu lassen.
Rajas kann uns ermutigen, die notwendige Energie und Entschlossenheit zu finden, um alte Gewohnheiten oder Muster loszulassen, die uns nicht dienlich sind.
Tamas kann uns daran erinnern, dass das Loslassen auch eine Zeit des Rückzugs und der Selbstfürsorge sein kann. Manchmal bedeutet Loslassen einfach, uns selbst die Erlaubnis zu geben, in den Moment zu kommen und uns von allem anderen zu lösen.
Zusammenfassend können die Gunas uns in unserer Yoga-Praxis dabei unterstützen, eine Balance zwischen Anstrengung und Loslassen zu finden, während wir uns auf unserem Weg der persönlichen Entwicklung befinden.
In meinen Yogakursen ist es mir besonders wichtig, eine ausgewogene Mischung aus Aktivität und Ruhe zu schaffen, um unseren Geist und Körper in Einklang zu bringen. Ich strebe danach, eine harmonische Balance zwischen Anspannung und Entspannung, zwischen der Energie von Rajas und der Gelassenheit von Tamas zu schaffen. Auf diese Weise fördern wir nicht nur körperliche Stärke und Flexibilität, sondern auch Klarheit und Ausgeglichenheit im Geist. Es ist ein Weg, der uns hilft, uns selbst besser zu verstehen und in Harmonie mit unserer inneren Natur zu leben.
Namasté Steffi